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Dankbarkeitstagebuch bei heimlicher Liebe: reicht das?
Ein Dankbarkeitstagebuch ist eine legitime Praxis, zeigt in einer heimlichen Liebe, Affäre oder Situationship aber nur eine Seite, nämlich die gute. Um zu erkennen, was du eigentlich willst, brauchst du beide Seiten auf dem Papier. Liebe im Verborgenen fragt in neunzig Einträgen nach beidem, damit die Entscheidung wieder bei dir liegt.
Seit Wochen schreibst du jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar bist, und eines davon hat fast immer mit derselben Person zu tun. Die Liste stimmt, die Tage sind etwas leichter geworden, und trotzdem dreht sich das Gedankenkarussell weiter, weil du immer noch nicht weißt, woran du bist und was du eigentlich willst. Das liegt weniger an deiner Disziplin als am Werkzeug, das für diese Lage nicht ganz passt.
Was bringt ein Dankbarkeitstagebuch?
Der Effekt ist also echt, und ich rede niemandem das Dankbarkeitstagebuch oder das 6-Minuten-Tagebuch aus. Davis et al. (2016) fanden allerdings auch, dass Dankbarkeitsübungen genauso gut abschneiden wie andere aktive Übungen, aber nicht besser (d = -0,03). Das Werkzeug ist gut, es ist nur nicht für jede Frage gebaut.
Ein Dankbarkeitstagebuch lenkt deine Aufmerksamkeit auf das, was gut war. In einem ruhigen Leben, in dem der Blick leicht am Ärger hängen bleibt, ist genau das der Sinn der Übung, und ob du dabei bleibst, entscheidest du selbst.
Warum reicht ein Dankbarkeitstagebuch bei heimlicher Liebe oft nicht?
Auf der Liste fehlt alles andere: die drei Tage Funkstille vor der warmen Nachricht, das abgesagte Treffen, der Sonntagabend, an dem du ständig aufs Handy geschaut hast. Wenn nur die Höhepunkte auf dem Papier landen, gibt das Papier irgendwann deiner Hoffnung recht, und du klappst das Heft genauso ratlos zu, wie du es aufgeschlagen hast.
Dazu kommt, dass du mit niemandem darüber reden kannst. Was dein Freundeskreis sonst zurechtrücken würde, bleibt bei dir allein, und das Gedankenkarussell hat keinen Gegenspieler außer dem, was du selbst aufschreibst. Wie dieses Kreisen entsteht, beschreibe ich in meinem Text über Limerenz.
Kann Dankbarkeit dich in einer Situationship festhalten?
Untersucht wurden feste Paare und keine Affären oder Situationships, deshalb lese ich das Ergebnis als Mechanismus und nicht als Urteil über deine Lage. Der Mechanismus ist trotzdem wichtig, denn jedes Mal, wenn du die eine großzügige Geste notierst, stärkst du das Gefühl, das dich in der Nähe hält.
Am meisten zählt das, wenn Wärme unberechenbar kommt, so wie ich es in Situationship: warum dieser Mensch sich immer wieder meldet beschreibe. Eine Liste, die nur die warmen Tage enthält, hält die besten Tage genau fest und die übrigen gar nicht. Daraus folgt weder, dass du gehen sollst, noch, dass du bleiben sollst, sondern nur, dass dein Bild vollständig sein sollte, bevor du etwas entscheidest.
Dankbarkeitstagebuch oder geführtes Journal: wo liegt der Unterschied?
Beides ist legitim, und was du nutzt, ist deine Entscheidung. Keine Studie hat beide Formen bei Menschen in einer heimlichen Liebe verglichen, deshalb zeigt die Tabelle, wofür jedes Werkzeug gebaut ist. Als Beispiel dient Liebe im Verborgenen, mein Journal mit neunzig Einträgen.
| Dankbarkeitstagebuch | Geführtes Journal über neunzig Einträge |
|---|---|
| Frage | |
| Was war heute gut? | Was war gut, was war schwer, was tue ich für mich? |
| Was aufs Papier kommt | |
| Nur die gute Seite | Beide Seiten |
| Über die Zeit | |
| Jeden Tag dieselbe Frage | Die dritte Frage wechselt zweimal |
| Was du zurückliest | |
| Schöne Momente | Was sich wiederholt |
| Passt am besten | |
| In ein ruhiges Leben | Zu einer Liebe mit offener Frage |
Welche vier Fragen stellt Liebe im Verborgenen?
Die erste Frage kennst du aus dem Dankbarkeitstagebuch, und sie bleibt, weil das Gute dazugehört. Die zweite holt die andere Seite dazu, ohne sie zu erzwingen, denn sie beginnt mit einem Wenn. Die vierte sorgt dafür, dass jeder Eintrag mit etwas endet, das du tun kannst.
Nimm einen einzelnen Tag: Gut war, dass endlich eine Nachricht kam, und schwer war, dass du vier Stunden mit dem Handy in der Hand darauf gewartet hast. Für dich getan hast du an diesem Tag nichts, und morgen gehst du als Erstes eine halbe Stunde raus. Auf einer Dankbarkeitsliste stünde nur der erste Halbsatz.
Wie verändert sich die dritte Frage über neunzig Einträge?
Davor steht auf der Seite von Tag 1 eine einzige Frage: Was will ich am Ende dieser neunzig Einträge wissen? An Tag 30, 60 und 90 blätterst du dorthin zurück und liest, was du am ersten Tag wissen wolltest, und deine Antwort darf sich ändern.
Das passt zu einem Journal, das Einträge zählt und keine Kalendertage. Die Zahl neunzig habe ich beim Aufbau selbst festgelegt, sie stammt aus keiner Studie. Mehr dazu findest du in 90 Tage Journaling.
Warum ist das Zurücklesen der eigentliche Schritt?
Beim zwölften Eintrag ist ein abgesagtes Treffen ein Ereignis. Wenn du es beim sechzigsten zum vierten Mal findest, jedes Mal gefolgt von derselben warmen Nachricht, ist daraus eine Information geworden. Der Rückblick stellt dann drei Fragen, die auf keiner Dankbarkeitsliste stehen.
- Was hätte ich ihm oder ihr diese Woche gern gesagt?
- Was hat sich diese Woche wiederholt?
- Wie viel von dieser Woche habe ich mit Warten verbracht?
Pennebaker, Mayne und Francis (1997) werteten sechs Schreibstudien mit 177 Teilnehmenden neu aus. Wer im Verlauf mehr Wörter für Einsicht und Ursachen verwendete, war danach körperlich gesünder, psychisch allerdings nicht.
Wie finde ich heraus, was ich eigentlich will?
Der Satz dort beginnt so: „Was ich nach diesen neunzig Einträgen will, so ehrlich ich es heute sagen kann: …“ Lyubomirsky, Sousa und Dickerhoof (2006) fanden, dass Menschen, die über ihr schwerstes Erlebnis schrieben oder sprachen, vier Wochen später zufriedener waren als jene, die nur darüber nachdachten.
Das Journal gibt dir dabei kein Ziel vor. Manche bleiben und hören auf zu warten, manche gehen und richten sich neu aus, beides ist ein Ergebnis, und keines davon ist das bessere.
Gibt es bei Journals by Simone auch etwas für den Körper?
Eine Kapsel beantwortet keine der Fragen aus diesem Text und ändert nichts an deiner Situation. Die Journale sind für die Arbeit im Kopf gedacht, die Formel als zweite Ebene für den Körper, und was davon zu dir passt, entscheidest du.
Hinweis: Stress Balance ist derzeit nur in Österreich verfügbar und wird ausschließlich innerhalb Österreichs versendet.
Sechzig Kapseln reichen für dreißig Tage. Einzeln findest du die Flasche unter Stress Balance, und die Studienlage zur Pflanze habe ich im Text über Rosenwurz zusammengefasst. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Wann reicht Schreiben nicht mehr?
Nolen-Hoeksema (2000) fand, dass Grübeln neue depressive Episoden und Angstsymptome vorhersagte, deshalb nehme ich kreisende Gedanken ernst. Wenn sie die meisten deiner Nächte füllen, sprich bitte mit einer Fachperson darüber, und für die Stunde selbst gibt es einen Ablauf in Gedankenkarussell stoppen.
Was du aufgeschrieben hast, gibt einer Therapeutin oder einem Therapeuten außerdem etwas Konkretes, womit die Arbeit beginnen kann. Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, gehört das nicht in ein Journal. Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr und kostenlos, in Österreich unter 142, in Deutschland unter 0800 111 0 111 und in der Schweiz unter 143.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Dankbarkeitstagebuch schlecht?
Nein. Es ist eine legitime Praxis, und eine Metaanalyse von 2025 mit 145 Arbeiten fand kleine positive Effekte auf das Wohlbefinden. Für eine heimliche Liebe, Affäre oder Situationship halte ich es nur nicht für das treffendste Werkzeug, weil es eine Seite festhält. Ob du es weiterführst, entscheidest du.
Kann ich Dankbarkeitstagebuch und Journal gleichzeitig führen?
Ja. Die erste Frage in Liebe im Verborgenen lautet ohnehin: Was war heute gut? Der Unterschied liegt in den drei Fragen danach, die auch festhalten, was schwer war und was du für dich tust. Wenn dir deine Dankbarkeitsliste guttut, spricht nichts dagegen, sie daneben weiterzuführen.
Muss ich neunzig Tage am Stück schreiben?
Nein. Das Journal zählt neunzig Einträge und keine Kalendertage. Zehn Minuten reichen für einen Eintrag. Am besten schreibst du jeden Tag einen, ohne Druck: Lässt du einen Tag aus, machst du einfach weiter. Nach jeweils sieben Einträgen kommt ein Wochenrückblick, für den du dir etwas mehr Zeit nimmst.
Sagt mir das Journal, ob ich bleiben oder gehen soll?
Nein. Es gibt kein Ziel vor und nimmt dir keine Entscheidung ab. Es gibt dir neunzig Einträge Material darüber, wie es dir tatsächlich geht, und auf dieser Grundlage entscheidest du selbst. Bleiben und nicht mehr warten ist ebenso ein Ergebnis wie gehen und sich neu ausrichten.
Ersetzt ein Journal eine Therapie?
Nein. Ein Journal ist ein Werkzeug, um über dich nachzudenken, und ersetzt weder Therapie noch medizinische Behandlung. Wenn gedrückte Stimmung, Angst oder Schlaflosigkeit seit Wochen anhalten oder Gedanken auftauchen, dir etwas anzutun, wende dich bitte an eine Fachperson oder an die Telefonseelsorge.
Womit du anfangen kannst
Wenn dir neunzig Einträge für den Anfang zu viel sind, fang kleiner an. Am kürzesten ist der kostenlose Check-in: vier Fragen, danach das Journal, das zu deiner Lage passt, und per E-Mail das Mini-Journal „Bevor du die Nachricht abschickst“. Der Kalender für emotionale Klarheit begleitet dich dreißig Tage lang. Liebe im Verborgenen ist für den Tag da, an dem du dich auf die neunzig Einträge einlassen willst. Writing the Unspoken ist das geführte eBook für alle, die lieber erst lesen und dann schreiben.
Quellen
- Choi, H., Cha, Y., McCullough, M.E., Coles, N.A. und Oishi, S. (2025). A meta-analysis of the effectiveness of gratitude interventions on well-being across cultures. Proceedings of the National Academy of Sciences, 122(28), e2425193122. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40627390 doi.org/10.1073/pnas.2425193122 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Davis, D.E., Choe, E., Meyers, J., Wade, N., Varjas, K., Gifford, A., Quinn, A., Hook, J.N., Van Tongeren, D.R., Griffin, B.J. und Worthington, E.L. (2016). Thankful for the little things: a meta-analysis of gratitude interventions. Journal of Counseling Psychology, 63(1), 20-31. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26575348 doi.org/10.1037/cou0000107 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Joel, S., Gordon, A.M., Impett, E.A., MacDonald, G. und Keltner, D. (2013). The things you do for me: perceptions of a romantic partner's investments promote gratitude and commitment. Personality and Social Psychology Bulletin, 39(10), 1333-1345. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23885035 doi.org/10.1177/0146167213497801 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Lyubomirsky, S., Sousa, L. und Dickerhoof, R. (2006). The costs and benefits of writing, talking, and thinking about life's triumphs and defeats. Journal of Personality and Social Psychology, 90(4), 692-708. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16649864 doi.org/10.1037/0022-3514.90.4.692 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Pennebaker, J.W., Mayne, T.J. und Francis, M.E. (1997). Linguistic predictors of adaptive bereavement. Journal of Personality and Social Psychology, 72(4), 863-871. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9108699 doi.org/10.1037/0022-3514.72.4.863 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Guo, L. (2023). The delayed, durable effect of expressive writing on depression, anxiety and stress: a meta-analytic review of studies with long-term follow-ups. British Journal of Clinical Psychology, 62(1), 272-297. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36536513 doi.org/10.1111/bjc.12408 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
- Nolen-Hoeksema, S. (2000). The role of rumination in depressive disorders and mixed anxiety/depressive symptoms. Journal of Abnormal Psychology, 109(3), 504-511. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11016119 (abgerufen am 2. Oktober 2026)
Simone Pleifer, MSc
Simone Pleifer, MSc, ist die Gründerin von Journals by Simone und hat das System für emotionale Klarheit in vier Phasen entwickelt. Sie hat einen MSc in Ernährungswissenschaft und vierzehn Jahre Erfahrung in der pharmazeutischen klinischen Forschung. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Genauigkeit mit emotionaler Tiefe, für Menschen in heimlicher Liebe, in Situationships und mit unausgesprochenen Gefühlen. Derzeit entwickelt sie eine Supplement-Linie als Ergänzung zu diesem System.
Über Simone