Teilen
Wann entscheidet sich mein Affärepartner? Über das Warten
Wann sich dein Affärepartner entscheidet, kann dir niemand sagen, auch keine Studie. Die Forschung kennt Wahrscheinlichkeiten für Gruppen, aber keinen Zeitpunkt für einen einzelnen Menschen. Was du selbst sehen kannst, ist, wie viel von deiner Woche gerade ans Warten geht. Dort setzt dieser Artikel an, und dort kann das Schreiben etwas ausrichten.
Wahrscheinlich hast du die Frage genau so eingetippt, wie sie dir im Kopf herumgeht: Wann entscheidet sich dieser Mensch endlich? Vielleicht ist irgendwann ein Satz gefallen wie „Ich brauche noch Zeit“ oder „nach dem Sommer“, und seither richtest du deine Tage danach. Den Samstag hältst du dir frei, falls sich etwas ergibt. Beim Essen mit anderen schaust du unter dem Tisch aufs Handy.
Ob du bleiben oder gehen sollst, kann ich von außen nicht beurteilen, und darum geht es hier auch nicht. Es geht darum, was sich zu dieser Frage ehrlich sagen lässt, was nicht, und was du in der Zwischenzeit selbst beobachten kannst.
Wann entscheidet sich mein Affärepartner?
Was du hast, sind die Sätze dieses Menschen und sein Verhalten, und beides siehst nur du aus der Nähe. Auf Ratgeberseiten stehen trotzdem Prozentzahlen dazu, wie viele sich angeblich trennen und wie viele nicht. Eine Studie, die sich nachschlagen ließe, findet sich hinter keiner davon. Deshalb tauchen diese Zahlen hier nicht auf.
Ehrlicher ist ein anderer Blick. Eine Entscheidung, die angekündigt wird, hat noch nicht stattgefunden. Erst wenn ein Datum dazukommt oder sich im Alltag dieses Menschen etwas ändert, wird aus dem Satz ein Schritt. Bis dahin ist das Warten selbst die einzige Tatsache, die du nachprüfen kannst. Das klingt nach wenig, trägt aber weiter als jede Prozentzahl.
Verlässt jemand die Ehe für die Affäre?
Labrecque und Whisman (2020) haben Daten von 1.853 verheirateten Erwachsenen ausgewertet, eine Zufallsstichprobe der US-Bevölkerung. Wer außerehelichen Sex angegeben hatte, war zwei Jahre später häufiger getrennt oder geschieden, und zwar statistisch deutlich. Daran änderte sich nichts, als die Forschenden die Zufriedenheit mit der Ehe herausrechneten.
Selterman et al. (2021) haben 495 Menschen zu ihren Affären befragt, Studierende und Online-Teilnehmende aus den USA. Lag der Grund in der festen Beziehung, etwa Ärger oder fehlende Liebe, dauerten die Affären länger, und die feste Beziehung ging öfter auseinander. War die Affäre eher aus einer Situation heraus entstanden, kam das seltener vor. Beides sind Selbstauskünfte. Sie beschreiben Gruppen, während du auf eine einzige Person wartest, deren Gründe du von außen nicht kennst.
Warum ist das Warten so zermürbend?
Das erste Ergebnis stammt von Rankin et al. (2019), die in drei Studien Menschen beim Warten auf Prüfungsergebnisse begleitet haben. Das zweite stammt von Wilson und Sweeny (2024): Bei 248 Menschen, die auf das Ergebnis ihres Jura-Examens warteten, hing ein häufiger Wechsel der Erwartung mit mehr Sorge zusammen.
Howell und Sweeny (2025) fanden außerdem, dass Menschen gerade dann am meisten nach Informationen suchen, wenn die Sorge am größten ist, auch nach solchen, die ihnen nicht weiterhelfen.
Untersucht wurde dort allerdings das Warten auf Prüfungsergebnisse, einen Wahlausgang oder Jobzusagen, also ein Warten, das absehbar endet. Deines hat kein solches Ende. Dass es deshalb schwerer wiegt, ist meine Einordnung und kein Studienergebnis. Es erklärt aber, warum sich jede Nachricht wie ein Zwischenstand anfühlt.
Wie lange soll ich noch warten?
Gemeint ist das praktisch. Es sind die Stunden, in denen du erreichbar bleibst, und die Verabredungen, die du nicht ausmachst, weil sich etwas ergeben könnte. Es ist der Griff zum Handy in der Besprechung, wenn es kurz vibriert und doch nur ein Newsletter ist.
Das Warten hört zu keiner bestimmten Uhrzeit auf, es läuft den ganzen Tag mit. Eine einzelne Woche sagt wenig. Über mehrere Wochen siehst du, ob es mehr wird oder weniger, und diese Auskunft bekommst du, ohne dass die andere Person etwas dazu tun muss.
Wenn in deiner Lage Angst oder Kontrolle eine Rolle spielt, ist eine Fachstelle der bessere erste Schritt als ein Journal. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt es dafür kostenlose Beratungsstellen.
Was Schreiben am Warten verändert
Guo (2023) hat 31 kontrollierte Studien mit 4.012 Teilnehmenden zusammengefasst, die alle auf der Methode von Pennebaker und Beall (1986) aufbauen. Expressives Schreiben senkte Symptome von Stress, Angst und Depression leicht (Hedges' g = -0,12), und die Wirkung zeigte sich erst mit Verzögerung bei den Nachuntersuchungen. Lagen zwischen den Schreibterminen nur ein bis drei Tage, fiel die Wirkung stärker aus als bei längeren Pausen.
Wer aufschreibt, wie die Woche war, schaut hin, statt sich abzulenken. Zwei Seiten nebeneinander sagen mehr als jedes Gefühl am Sonntag.
Wenn du lieber klein anfängst, ist der Check-in der kostenlose Einstieg.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis sich ein Affärepartner entscheidet?
Dafür gibt es keine belegte Durchschnittsdauer. Keine der Studien in diesem Artikel misst die Zeit bis zu einer Entscheidung. Zahlen von Ratgeberseiten haben meist keine Quelle, die sich nachschlagen lässt.
Trennen sich Menschen wirklich für ihre Affäre?
Manche tun es, wie viele, ist nicht belegt. Labrecque und Whisman (2020) zeigen, dass Ehen nach außerehelichem Sex häufiger auseinandergehen. Ob daraus eine Beziehung mit der Person aus der Affäre wurde, hat die Studie nicht erfasst.
Woran erkenne ich, ob dieser Mensch es ernst meint?
Von außen lässt sich das nicht sicher sagen, und kein Test nimmt dir die Einschätzung ab. Unterscheiden kannst du aber, was angekündigt wird und was sich im Alltag tatsächlich ändert. Wenn du beides über mehrere Wochen aufschreibst, steht der Unterschied schwarz auf weiß vor dir.
Hilft Schreiben, wenn ich auf eine Entscheidung warte?
Schreiben nimmt dir die Entscheidung nicht ab und beschleunigt die der anderen Person nicht. Belegt ist eine kleine, verzögerte Wirkung auf Stress, Angst und gedrückte Stimmung (Guo 2023). Außerdem siehst du Woche für Woche, wie viel Raum das Warten einnimmt. Wenn dir die leere Seite zu offen ist, hilft ein Brief, den du nie abschickst.
Quellen
- Labrecque, L.T. und Whisman, M.A. (2020). Extramarital Sex and Marital Dissolution: Does Identity of the Extramarital Partner Matter? Family Process, 59(3), 1308–1318. doi.org/10.1111/famp.12472 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Selterman, D., Garcia, J.R. und Tsapelas, I. (2021). What Do People Do, Say, and Feel When They Have Affairs? Journal of Sex & Marital Therapy, 47(3), 238–252. doi.org/10.1080/0092623X.2020.1856987 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Rankin, K., Sweeny, K. und Xu, S. (2019). Associations between subjective time perception and well-being during stressful waiting periods. Stress and Health, 35(4), 549–559. doi.org/10.1002/smi.2888 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Wilson, M. und Sweeny, K. (2024). Volatility in Expectations While Awaiting Important News. Personality and Social Psychology Bulletin, 50(7), 1040–1050. doi.org/10.1177/01461672231158883 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Howell, J.L. und Sweeny, K. (2025). Information-management behavior during stressful waiting periods. Emotion, 25(7), 1774–1783. doi.org/10.1037/emo0001529 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Guo, L. (2023). The delayed, durable effect of expressive writing on depression, anxiety and stress: A meta-analytic review of studies with long-term follow-ups. British Journal of Clinical Psychology, 62(1), 272–297. doi.org/10.1111/bjc.12408 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
- Pennebaker, J.W. und Beall, S.K. (1986). Confronting a traumatic event: Toward an understanding of inhibition and disease. Journal of Abnormal Psychology, 95(3), 274–281. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3745650 (abgerufen am 13. Oktober 2026)
Simone Pleifer, MSc
Simone Pleifer, MSc, ist die Gründerin von Journals by Simone und hat das System für emotionale Klarheit in vier Phasen entwickelt. Sie hat einen MSc in Ernährungswissenschaft und vierzehn Jahre Erfahrung in der pharmazeutischen klinischen Forschung. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Genauigkeit mit emotionaler Tiefe, für Menschen in heimlicher Liebe, in Situationships und mit unausgesprochenen Gefühlen. Derzeit entwickelt sie eine Supplement-Linie als Ergänzung zu diesem System.
Über Simone